WHITE PAPER — Der Standard 2028
Warum KI-Dokumentation im deutschen Gesundheitswesen keine Option mehr ist, sondern Pflicht.
- Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
- Publikation: Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie
- Datum: Februar 2026
- Kernziel: 70% KI-Nutzung bis 2028
- Zielgruppe: alle Pflege- und Gesundheitseinrichtungen
Executive Summary
Im Februar 2026 veröffentlichte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie — einen verbindlichen Fahrplan für die nächsten vier Jahre. Jenseits der reinen Infrastruktur (Telematikinfrastruktur, TI) ruft die Strategie eine neue Ära der „nutzenorientierten Technologien" aus.
Die wichtigste Erkenntnis für medizinische Praxen ist ein spezifisches, quantifizierbares Ziel. Einrichtungen, die an der manuellen Dateneingabe festhalten, riskieren den Anschluss an die „Digitale Reife" — eine Kennzahl, für die das Ministerium ab sofort eine Steigerung um mehr als 35% erwartet.
| Kennzahl | Zielwert |
|---|---|
| KI-Dokumentations-Adaption (Einrichtungen) | 70% bis 2028 |
| Steigerung Digitale Reife (Kliniken) | +35% |
| ePA aktive Nutzer | 20+ Mio. bis 2030 |
| Veröffentlichung Strategie | Feb 2026 |
Quelle: BMG, Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie (Feb 2026).
1. Das Kern-Mandat: 70% Adaption bis 2028
Die Ära der manuellen Dateneingabe endet offiziell. Die Strategie formuliert explizit:
„KI-gestützte Dokumentation soll zum Standard in der Gesundheits- und Pflegeversorgung werden; mehr als 70 Prozent der Einrichtungen sollen diese 2028 aktiv nutzen."
Dies ist kein bloßer Vorschlag, sondern ein strategisches Ziel, verankert in den Handlungsfeldern „Daten" (Handlungsfeld 2) und „Technologien" (Handlungsfeld 3). Ziel ist die Abkehr von isolierten Datensilos und unstrukturierten Notizen hin zu strukturierten, qualitativ hochwertigen Daten, die Versorgungsqualität und Forschung verbessern.
2. Warum der Wandel? Die strategischen Treiber
Das Ministerium identifiziert mehrere Schlüsselfaktoren für diesen offensiven Vorstoß in Richtung KI:
- Entlastung von Administration. Die Strategie betont, dass KI administrative Tätigkeiten und Dokumentation automatisieren kann, um Zeit für die direkte Versorgung freizumachen.
- Strukturierung des Unstrukturierten. Eine Hürde des aktuellen Systems sind unstrukturierte Daten. KI-Anwendungen sollen spezifisch dabei unterstützen, unstrukturierte Daten (z. B. das gesprochene Arzt-Patienten-Gespräch) in strukturierte Formate zu überführen.
- Interoperabilität. Um Daten für die elektronische Patientenakte (ePA) und das Forschungsdatenzentrum (FDZ) nutzbar zu machen, müssen sie interoperabel sein. KI fungiert als Brücke, um klinischen Input in diese Standards zu konvertieren.
3. Rechtssicherheit und „Blueprints"
Ein häufiges Hemmnis für Praxen war bisher die rechtliche Unsicherheit. Die Strategie 2026 adressiert dies mit Sofortmaßnahmen:
- Rechtliche Klarheit. Leistungserbringer erhalten Sicherheit darüber, welche KI-Anwendungen sie zu welchen Zwecken nutzen dürfen.
- Konformitäts-Blueprints. Bis Ende 2028 werden Blueprints (Vorlagen) zur Erstellung von Konformitätsbewertungsunterlagen für KI-Anwendungen bereitgestellt.
- KI-Reallabore. Das Ministerium etabliert Testumgebungen zur regulatorischen Beratung bei Entwicklung und Nutzung von KI, um Datenschutzkonformität zu gewährleisten.
4. Die Rolle der ePA (elektronische Patientenakte)
Der Vorstoß zur KI-Dokumentation ist untrennbar mit der ePA verknüpft. Die Strategie visiert an, dass bis 2030 mehr als 20 Millionen Versicherte die ePA aktiv nutzen.
- Standardisierung. Es werden klinische Datenprofile (z. B. für Diabetes oder Herzinsuffizienz) entwickelt, damit KI auf Basis strukturierter Datenpunkte Versorgungshinweise generieren kann.
- Datenfluss. Die Vision ist ein Datenfluss vom „Point of Care" (Stimme der Ärztin / KI) in die ePA und anschließend in Forschungsdatenbanken (FDZ).
Fazit — Handlungsbedarf
Die Veröffentlichung der Strategie 2026 signalisiert, dass KI-Dokumentation vom „Early Adopter"-Vorteil zur regulatorischen Erwartung wird. Mit dem klaren Ziel, dass 70% der Einrichtungen bis 2028 KI-Dokumentation aktiv nutzen müssen, riskieren Praxen, die am manuellen Tippen festhalten, den Anschluss an die „Digitale Reife" — eine Kennzahl, die laut Ministerium um 35% steigen soll.
Quellen
- Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege — Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (2026)